Ein Fest mit Geschichte
Von mittelalterlichen Kirchtagen über ein Wohltätigkeitsfest der 1920er-Jahre bis zum perfekt organisierten Stadtfest – der Jahrmarkt gehört zu Kitzbühel wie die Berge zur Stadt.

Ein Fest, das selbstverständlich wirkt
Einmal im Jahr wird die Innenstadt zur Bühne. Musik liegt in der Luft, es wird gelacht, angestoßen und bis in die Nacht gefeiert. Was selbstverständlich wirkt, ist über Jahrhunderte gewachsen. Bereits im 14. Jahrhundert verfügte Kitzbühel über das Recht, einen »Kirchtag mit besonderer Belustigung« abzuhalten. Markt und Fest waren von Anfang an eng verbunden.
Von der Wohltätigkeit zum Volksfest
In seiner heutigen Form beginnt die Geschichte 1923: Stadt und Land organisierten gemeinsam eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten des Armen- und Förderausschusses. Der erste Jahrmarkt dieser neuen Zeit fand im Herbst statt – als Fest und als Zeichen gelebter Solidarität.
1924 wurde es spektakulär: Ein Raritätenkabinett, ein Zirkus mit dem »größten frei dressierten Löwen« und ein Seilkünstler sorgten für Staunen. 1930 folgte der Glückstopf – Hauptpreis damals: ein Schwein. Heute zählt er mit hunderten Preisen zu den beliebtesten Stationen des Festes. 1937 musste der Jahrmarkt wegen Schlechtwetters gleich dreimal verschoben werden.

Stadtmusik, Vereine und ein Stück Identität
1938 wird die Stadtmusik erstmals organisatorisch erwähnt – endgültig verantwortlich ist sie seit 1950. Mit der Einbindung der Vereine entwickelte sich der Jahrmarkt zu einem der wichtigsten Sommerfeste im Bezirk. 1962 wurde er aufgrund seiner Tradition sogar als genehmigungsfrei anerkannt.
Und dann war da noch das Konfetti. Es blieb nicht nur auf der Straße – es fand sich in Taschen, Schuhen und zwischen den Knöpfen der Tracht wieder. Heute gehört das längst zur Erinnerung. Geblieben ist das Gefühl eines Abends, der noch Tage später nachwirkte – und genau dieses Gefühl prägt den Jahrmarkt bis heute.
Heute: professioneller, nachhaltiger, kinderfreundlicher
Vieles hat sich weiterentwickelt: Das Pfandbecher-System sorgt inzwischen für ein sichtbar saubereres Stadtbild und erleichtert dem Bauhof die Arbeit nach dem Fest. Die Organisation ist professioneller geworden – die Freude am Feiern ist geblieben.
Zum heurigen Jubiläums-Jahrmarkt entsteht erstmals im Stadtpark ein eigener Kinderbereich mit Hüpfburg und Spielstraße. Denn der Jahrmarkt ist mehr als ein Fest: Er ist Treffpunkt, Tradition und Identität – zum hundertsten Mal und doch jedes Jahr neu.

